Archive for the ‘Reise’ Category

Emotionen in 4 Farben - Begegnung mit einer großen Persönlichkeit || Colours and emotions - Meeting one of the last real personalities of our time

Freitag, Juni 17th, 2011

Am Tag vor Himmelfahrt bin ich in die Schweiz gefahren. Schon im Februar hatte ich ein Seminar zur Weiterbildung gebucht. Die exakte Initialzündung zur Anmeldung erinnere ich nicht mehr, aber den Plan dieses spezielle Seminar zu besuchen trug ich bereits seit Herbst 2009 in mir. Nach 30 Minuten am ersten von vier Seminartagen war mir schlagartig klar: Hier bin ich richtig!

Brunnen_Blick-Richtung Luzern_web

In Brunnen am Viewaldstätter See, zwischen Luzern und Zug gelegen, trafen 18 Teilnehmer aufeinander, die eines gemeinsam hatten: sie waren offen für Neues und bereit, über den eigenen Tellerrand zu sehen. Diese - sagen wir mal - gleichgerichtete Energie war eine wahre Wohltat und eröffnete zusätzliche Ressourcen für die Aufnahme der Inhalte der Veranstaltung: Farbpsychologie. Ein Ausdruck, der dem Dozenten und Entwickler der Methode sicherlich nur bedingt gefallen dürfte.

Max Lüscher nur für sich genommen, ist bereits ein (Natur)Ereignis. Das spiegelte sich unter anderem auch in den verschiedenen Nationalitäten der Teilnehmer wider: Schweiz, Niederlande, Österreich, England, Ukraine, Russland/ Lettland, Deutschland. Der Ansatz von Lüscher, die Atmosphäre, die Menschlichkeit, der Humor, die Herzlichkeit, die Organisation und Betreuung vor Ort (danke Frau Hennes!), die Anwesenden, die Logik des Ganzen - einfach faszinierend!

To look outside of the box is probably one of the characteristics that I appreciate the most about other people. Sometimes it can be exhausting to be like that, and at the same time it also can set free energy and creativity like nothing else. Sitting in a room with 20 people being open to new grounds and willing and able to reflect about themselves, was an experience I had at the beginning of June that I will never forget.

What had happened? I went to Switzerland to witness a course on colours and their emotional meaning. Hardly have I met a person like Max Lüscher before. His knowledge on human behaviour, his kind of speaking, the words he choses and his whole appearance is unique. He does not speak to sell something or to convince others, he speaks to get in touch with others, to broaden his horizon and to offer people an entrance to themselves. From my point of view, he is one of the last true personalities of our time, having witnessed almost 90 years of life and heaving met so many other brilliant people throughout this time. I can hardly express how thankful I am and will always be to have received the opportunity to get to know and learn from him.

Der 4-Farben-Mensch, wer ist das? Und wie ist er? Da ich niemals die Sprache und gewählten Worte dieses 1923 in Basel geborenen Mannes wiedergeben kann, taugt dieses Interview mit ihm sicherlich besser, um eine kurze Einführung in die Regulationspsycholgie zu geben und die Emotionen und Empfindungen zu beschreiben, die hinter den Farben stehen bzw. mit ihnen verbunden sind. Die “Psyche” des Menschen ist dreidimensional, und Worte können dieses komplexe Gebilde nur unzureichend beschreiben. Vor allem werten sie auch und geben letztlich nur Meinungen wieder. Aus dieser Erkenntnis heraus hat Max Lüscher vor über 50 Jahren seinen Farbtest entwickelt und ständig weiter verfeinert.

Aber hören wir den großen Menschenkenner selbst:

Unfortunately, this video is only available in German language, and there are hardly any interviews with him to be found in the web anyway. For information on Lüscher Color Diagnostic you should take a look here.

So what was the main thing I learned there apart from the fact that I do understand myself even better now and have never been that relaxed before? Let’s take this quote: “What is most important in life? In fact it is not only knowing people, but understanding how they are and why they are the way they are.

It is obvious that this knwoledge reflects on all areas of life. I’m looking forward to continuing the course in October. In fact, I’m already counting the days…

Heimat - Hometown?

Montag, Mai 23rd, 2011

Vor drei Wochen bin ich seit über einem halben Jahr mal wieder in meine Heimatstadt Bremerhaven gefahren. Wie es dann ja oft so ist, kommt man monatelang zu etwas nicht, oder war lange nicht an einem Ort, oder hat jemanden ewig nicht gesehen, um dann gleich mehrmals in kurzer Zeit das genaue Gegenteil der Vormonate zu tun. Mit anderen Worten: Vor zwei Tagen war ich schon wieder dort. Dieses Mal aber mit weniger sentimentalen Gefühlen als Ende April - dafür mit ähnlichem Frühsommerwetter und in Begleitung.

Since I opened up a Twitter account three months ago and am posting tweets both in German and English, I decided to do so with my blog entries as well - from now on, resp. whenever it is possible.

The title of my blog “Eigenartige Welt” means Peculiar World. Until 14 years ago, I myself used this term, describing something rather “strange” than “individual”. I met a wise man those days, who told me to be peculiar. But it took some more years to adapt the feelings connected to this term that my brain had already understood. But knowing is nothing without feeling. So, maybe I’m strange sometimes, but hopefully in a rather peculiar way.

Today I’m sharing my thoughts about home and hometown. This topic originally came into my mind three weeks ago when I visited my hometown Bremerhaven (located at the North Sea shore, 60 kilometres north of Bremen, Germany). I was driving from Hamburg to Fishtown - as we used to call Bremerhaven after we had left it - on the motorway and listened to Francis Dunnery’s “Hometown”. In fact, I just spent about eight hours there that day, but my feelings changed from sentimental to proud, from proud to excited, and from excited to exhausted and back constantly. All in all, I was completely relaxed and just enjoyed the warm and sunny weather. But from that day on, I have been wondering what my hometown means to me, and what does home mean anyway?

So, here is my attempt to enter that cornucopia of feelings and thoughts, where seemingly has been an emotional void for a long time.

Letzten August hatte ich in Bremerhaven, oder in Fishtown, wie wir es nannten, nachdem wir die Stadt verlassen haben, 20-jähriges ABI-Treffen. Abgesehen davon, dass das ein erstaunlich gelungener Abend war, ist es im Nachhinein wohl bereits der Anlass zu den Gedanken über Heimat gewesen. Bezeichnenderweise fand die Veranstaltung im Auswandererhaus statt.

Fishtown_20th floor_web

Vor drei Wochen nun verlief der Tag in meiner Heimatstadt ganz anders als erwartet und geplant. Ich näherte mich der Stadt von ihrer von außen betrachtet attraktivsten Seite, dem Areal zwischen Columbus Center und Wesermündung mit den neuen Touristenmagneten Klimahaus, Aussichtsplattform auf dem Atlantic Hotel, Deutsches Schiffahrtsmuseum und besagtem Auswandererhaus. Meine Kamera führte mich wie von Geisterhand dorthin, wo ich scheinbar schon immer und auch noch nie gewesen bin, und am Ende ließ ich mich treiben, saß in der Sonne, blickte in über 100 Meter Höhe über die Stadt, und vernachlässigte über Stunden komplett einige Aufgaben, deren Erledigung ich meinen Eltern versprochen hatte.

Ich war mir selbst begegnet und fand alte und neue Gefühle an diesem Ort meines Auf- und Heranwachsens. Das kam plötzlich und verblüffend, und andererseits auch nicht, denn immer älter werdende Eltern, Stadtentwicklung, Abi-Treffen etc. arbeiten auch selbständig im Verborgenen, das man aber täglich mit und in sich trägt.

Was ist also Heimat und wo ist sie? An einem Ort oder immer dort, wo ich länger bin?

Speaking of home as such, you have to be aware of differences between just defining a certain word or feeling its attributes yourself. I guess most people relate home to the place where they grew up - the town, the house they lived, the people who surrounded them and became friends. Friends for that period of their lives or even for a lifetime.

Today, a lot of us are constantly on the road, mostly for reasons of business and jobs. That might even enforce the correlation of the word “home” with childhood and youth days. In a song it’s said: “My home is where my heart is.” That’s surely true, but being at home and feeling home is likely not the same.

What is “home” then? Where is it and why is it so full of emotions - this place or area of space and time?

Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Menschen und Raum. Ich möchte aber nicht weiter den dazugehörigen Wikipedia-Eintrag zitieren oder zusammenfassen, sondern meine ganz eigenen Gedanken aus meiner ganz eigenen (Heimat-)Geschichte schildern. Es sind im besten Sinne des Wortes eigenartige Gedanken.

Natürlich verbinde ich mit dem Wort Heimat als erstes das Sich-zu-Hause-Fühlen. Aber was bedeutet das, und ist dieses Gefühl endlich? Letztlich muss ich mich zu allererst immer in mir selbst zu Hause fühlen, sonst bleibe ich mir selbst immer ein Fremder.

Am 30. April in Bremerhaven habe ich mich jedenfalls unheimlich wohl gefühlt an diesem Ort. Man muss dazu wissen, dass die Stadt seit Beginn der 90er Jahre des vorherigen Jahrhunderts einen stetigen Verfall erlebt hat, der viele meiner damaligen Mitschüler und auch folgende Kinder der Stadt fort getrieben hat. Vor drei Wochen, wie auch vor zwei Tagen war das vorherrschende Gefühl bei mir: schön, hier tut sich etwas in die richtige Richtung, aber auf dem alten Fundament. Heimat reloaded von mir aus.

Für mich sind jedenfalls Heimat und Heimatstadt zwei miteinander verbundene, aber gleichzeitig völlig unterschiedliche Dinge. Das eine ist variabel, das andere ist unveränderlich. Die Heimat, die ich in mir trage, hat ihren Urpsrung in meiner Heimatstadt, weil sie dort geboren wurde. Heute ist Hamburg meine Heimat, und es fühlt sich an, als ob das niemals anders gewesen wäre. Es sei denn, ich komme nach Fishtown, und sehe die Stadt mit anderen Augen. Nicht mit denen der alten, nicht mit denen der neuen Heimat. Sondern mit denen des Besuchers, dessen Empfindungen sich im Raum zwischen damals und heute neu mischen und Gegenwart erleben lassen.

The feelings that struck me three weeks and also two days ago are located somewhere between past and present. They make it possible for a visitor of my hometown - which I am at this point in my life - to mix up to something new and to experience what presence is.

There is no place like home…

Meet me – In Amsterdam (Teil 1)

Mittwoch, April 27th, 2011

Ostermontag war ich zum fünften Mal in Amsterdam. Erstmals im Frühling und erstmals mit Freundin. Das Ganze stand jedenfalls von Anfang an unter einem guten Stern. 114 Euro für das coolste Hotelzimmer, in dem ich jemals war, Kaiserwetter, relativ pünktliche Abfahrt bei Freunden in Hannover am frühen Morgen und sowohl eine funktionierende Kredit- als auch EC-Karte – was will man mehr?

Nach minimalen Schwierigkeiten erreichten wir das Hotel Arena gegen Mittag. Ich hatte es über ein App mit meinem iPhone gefunden und gebucht. Das Wallpaper App Amsterdam hatte ich Ende Februar gekauft und alles, was ich dort bisher gefunden habe, hat sich als Volltreffer erwiesen. Es ist optisch und inhaltlich ein Leckerbissen, und am zweiten und letzten Tag unseres Aufenthalts konnte es weitere wertvolle, allerdings nicht kostenreduzierende Hinweise produzieren. Mein Plan war eigentlich nur, zumindest bei Sissy Boy reinzuschauen, wo ich beim letzten Aufenthalt (Oktober 2008) etwas Geld für diverse Sachen von Super Dry gelassen hatte…

Am Montag waren wir zu Fuß gestartet, Fahrräder wollten wir uns am kommenden Tag ausleihen. Nach 15 Minuten standen wir auf der Magere Brugg, wohl dem Wahrzeichen von Amsterdam. Ich hatte bei den Aufenthalten zuvor nie das Vergnügen gehabt, und bis vor Kurzem auch geglaubt die Brücke sei aus Metall. Sie besteht aber aus weiß lackiertem Holz und ist in jeder Hinsicht das Zentrum an der Amstel. Für uns wird der Aufenthalt auf der Brücke jedenfalls immer in Erinnerung bleiben.

Den ersten Hunger stillten wir im Van Dobben, wo man irrsinnig gut und irrsinnig schnell sogenannte Croquets bekommt. Ich schaute zwar zunächst etwas sparsam drein, als sich eine der beiden Bestellungen als Mettbrötchen mit gekochtem Ei entpuppte, aber im Zusammenspiel mit der Schweinebratenvariante der zweiten Bestellung und unter Mithilfe von Senf war der kurze Schreck schnell zu den Akten gelegt.

Nach ein paar Schlenkern am Ende der Kerkstraat, erreichten wir mein bevorzugtes „Revier“ zwischen Keizers- und Prinsengracht. Es stellte sich raus, dass mein Merian live von Amsterdam mindestens zehn Jahre zu alt war, denn das gesuchte Café Pulitzer gab es nur noch in anderer Form bzw. unter anderem Namen. Auf der Suche nach einem schönen Platz für ein noch schöneres Stück Kuchen hatten wir dann die Wahl zwischen der Pulitzer Bar und dem Restaurant Keizersgracht 238. Beide Einrichtungen sehr gediegen, die Frage war nur, ob wir uns nach draußen setzen wollten oder konnten.

Wir durchquerten fragend und sehend den 24-Häuser-Komplex des Hotel Pulitzer, wo wir unter anderem den „schönsten Garten Amsterdams“ in Augenschein nehmen konnten. Am Ende landeten wir im Restaurant, das ab 18 Uhr Einlass gewährte. Spargel, Kürbis-Risotto und Lemon Cheesecake wurden von Merlot und spanischem Rosé abgerundet. Highlight des Restaurants, neben dem Eros Rammazzotti-Lieder singenden Koch, unserer alerten Bedienung und dem Essen war das Wandgemälde im größten Raum. Selbst nach einer Stunde Betrachtung kann man immer noch Details finden.

Wandgemälde_Keizersgracht238

Für den Dienstag notierte ich in mein Moleskine City Notebook den Namen Cortina Papier, ein hübsches, nicht zu kleines Papier- und Büroartikelgeschäft in der Reestraat. Für den ca. 3 Kilometer langen Rückweg zum Hotel benötigten wir gut 50 Minuten. Das eine oder andere Lichtbild wurde gefertigt und kurz vor dem Erreichen der Herberge war die Speicherkarte von meiner Canon voll.

Ein Traumtag ging zu Ende und ich stellte mit Erschrecken fest, dass das geniale Zimmer bereits „normal“ für mich geworden war. Aber der Leser schaue selbst, ich würde es immer wieder buchen:

Einziger Nachteil im Hotel: Zehn oder 15 Euro Tagesgebühr für Internetzugang (je nach Zugangsart). Am Abend hatte ich meinen Voucher-Code noch immer nicht aktiviert und dann ließ ich es auch dabei. Die Dame an der Rezeption verstand zwar erst nicht, was ich wollte, aber am Ende konnte ich den Voucher zurückgeben und die veranschlagten zehn Euro wurden von meiner Rechnung entfernt.

Song of the day: „In Amsterdam“ (Noonday Underground Remix), Paul Weller – Wake Up The Nation [Special Edition]. Der Remix enthält (Sprech-)Gesang und der Refrain geht mir nicht mehr aus dem Kopf und gibt dem Beitrag seinen Titel. „…at the Paradiso…!“ #Iamsterdam

Portugal - Vivo sonhando

Mittwoch, April 13th, 2011

Unter dem Titel Kater ohne Party war in der Wochenend-Ausgabe der SZ ein Bericht über die wirtschaftliche und finanzielle Lage in Portugal zu lesen. Die Stimmung im Land wird dort als Mischung aus Galgenhumor, Verzweiflung und Gewohnheit beschrieben. Anders als Irland haben nicht die Banken das Land in die Bredouille gebracht. Anders als Griechenland hat die einstige Kolonialmacht nicht seine Rechnungen frisiert.

Griechenland hat aber 2004 die Fußball-EM in Portugal gewonnen. Der von der EU subventionierte Bau der schönen modernen Stadien belastet das Land bis heute. Dazu kommen niedrige Sparquote, hohe Staatsverschuldung und eine Arbeitslosenquote von 11 Prozent. Keine guten Voraussetzungen, um auf EU-Hilfen verzichten zu können.

Als ich im Januar 2009 zuletzt in Lissabon war, war es unübersehbar, dass das Land zu den ärmeren in der EU gehört. Obdachlose vor dem Finanzministerium sind der Normalfall. Bei meinen Fußmärschen durch die Stadt ist mir eine einzige Straße bzw. Häuserzeile aufgefallen, die komplett intakt war, alle anderen waren mit mindestens einer Ruine oder einem baufälligen Gebäude versehen.

Die Mentalität der Portugiesen liegt mir. Man spürt bereits den rauhen Atlantik in ihrem Wesen, sie sind freundlich, scheinen zunächst etwas distanziert und können auf eine so reiche Geschichte zurückblicken. Lissabon ist für mich eine der fünf schönsten Städte der Welt - auch zum Wohnen und Leben. Ein Stadtbild geprägt von Nähe und Ferne - der Fluss Tejo mit direkter Strömung zum Meer. Seefahrer, was wollt Ihr mehr?

Musik dazu, auch wenn brasilianisch: Vivo sonhando - Dreamer von Morelenbaum²/Sakamoto (Album: Casa). Buchempfehlungen: Antonio Tabucchi - Lissabonner Requiem; Pascal Mercier - Nachtzug nach Lissabon.

Lissabon_Amor@Anarquia

Mich überkommt Fernweh, wenn ich an das Castelo de São Jorge denke, an den Blick auf den Fluss, die großen dunklen Schatten der Wolken auf dem Wasser und die Hügel der Stadt.

Vivo sonhando!

Zwischen Ronco und Monte Generoso (Teil 2)

Donnerstag, August 12th, 2010

Die drei südschweizer und oberitalienischen Seen werden in den fünf Tagen unserer Reise alle von uns heimgesucht. Den Lago Maggiore verlassen wir am 2. August und über den Umweg nach Mailand inkl. obligatorischem Stadtbummel und Dombesuch landen wir am späten Nachmittag am Lago di Como.

Mailänder Dom_Tür links_web

Gerne wäre ich unter normalen Umständen und als begeisterter Autofahrer auf die 180 Kilometer Seerundreise gegangen - aber heute ist es nur ein Zwischenstopp. Belaggio muss warten und wir fahren nach Chiasso in die Schweiz und decken uns erstmal bei ALDI Suisse mit Nahrungsmitteln ein.

Eine Stunde später bauen wir unser Zelt unterhalb des Monte Generoso auf einem Campingplatz auf, der direkt am Lago di Lugano liegt. Selbst die Sintflut eine weitere Stunde später kann dem Zelt nichts anhaben und die Laune nicht kippen.

Lago di Lugano_Ufer_Camping Monte Generoso_web

Das Bad im See am folgenden Morgen ist zwar kühler als im Lago Maggiore aber ein tolles Naturerlebnis und äußerst belebend.

Zwei Stunden später fahren wir zum Gotthard-Pass hinauf. Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Es regnet dort nicht und wir gehen dem Stau vor dem Gotthard-Tunnel aus dem Weg. Nach knapp zwei Stunden Fußmarsch, vom San Gottardo Ospizio kommend, und vorbei am Lago di Sella entscheiden wir uns in 2600 Meter Höhe angesichts schnell aufziehender Wolken für das vorzeitige Ende der Tour und treffen nach einer recht beeindruckenden Abfahrt und weiteren schönen Aussichten am Vierwaldstätter und Zuger See gegen 18.00 Uhr in Zürich ein.

Zurich dawn_3-8-10_web

Wir biegen in der Duffourstraße rechts in die Seegartenstraße ein und auch hier lacht uns die Sonne bei 23 Grad. Vom angkündigten Regen weit und breit keine Spur. Der Abend kann kommen

Zwischen Ronco und Monte Generoso (Teil 1)

Sonntag, August 8th, 2010

Die wärmste Stadt der Schweiz ist Locarno am Lago Maggiore. Bewegt man sich von dort weiter, ganz gleich, auf welcher Uferseite, ist man schnell in Italien. Am Ostufer ist die nächste größere Stadt Luino, am Westufer kommen nach Ascona, allerdings noch im Tessin, Ronco Porto und Ronco sopra Ascona.

Am 1. August, dem Schweizer Nationalfeiertag, kommen wir nach Ascona, finden dort in der Via Borgo einen wunderbaren kleinen Buchladen, ein akzeptables Restaurant und farbenforhe Häuserfassaden.

Isole di Brissago_web

Wir folgen der Uferstraße Richtung Brissago und ehe wir uns versehen, fahren wir hinauf nach Ronco s/Ascona (so steht es auf allen Schildern). In Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit zeichnet es sich bereits ab, dass wir das für 22.00 Uhr in Ascona angekündigte Feuerwerk von hier aus ansehen werden.

“Was ist denn hier los?!”

Die Serpentinen nach Ronco sopra Ascona bieten auf der Seeseite in der Regel jede Menge einzelner Parkplätze - Privatparkplätze, die im Normalfall zu den angrenzenden Grundstücken gehören. In der Regel ist das auch entsprechend ausgeschildert. Der Platz, den wir uns suchen, hat keinen entsprechenden schriftlichen Hinweis zu bieten, lediglich eine Fahrstuhltür in der Begrenzungsmauer Richtung Abhang. Wir parken so, dass noch ein zweites Fahrzeug Platz finden kann.

Nachdem wir knapp zwei Stunden weiter auf- und ortseinwärts gelaufen sind, und wunderschöne Ausblicke vom Panoramaweg auf Ascona, Locarno und die Isole di Brissago genießen konnten, kehren wir zum Auto zurück. Ein weiterer Wagen hat sich zu uns gesellt und wir verpflegen uns kurz und ich versuche die Akkus meiner diversen kleinen Gerätschaften über meinen Laptop aufzuladen. Vermutlich durch die Geräusche unserer Unterhaltung angezogen, geht mit einem Male die Fahrstuhltür auf und der Teil mit der angemessenen Ansprache wird gleich übersprungen.

“Was ist denn hier los?!” Man spricht also deutsch - und verhält sich leider auch so. Der vermeintliche Hausherr deklariert den Parkplatz als privat, verweist auf in Kürze zu erwartenden Besuch und zieht sich prompt in den Fahrstuhlschacht zurück. Wir sehen uns verduzt an und ich frage mich, ob es Intermezzi wie diese sind, die deutsche Staatsbürger bei ihren südlichen Nachbarn so unheimlich beliebt erscheinen lassen.

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Das Feuerwerk zwei Stunden später entschädigt bei einsetzendem leichten Nieselregen - es ist, Gott sei Dank, ein schweizer Feuerwerk.

Ich kenne den Osten wie meine Westentasche®

Samstag, Juli 17th, 2010

Zugegeben, die Besinnungsphase hat etwas länger gedauert, aber es waren ereignis- und erlebnisreiche drei Monate…

Ich lese noch immer an 2666 von Roberto Bolaño - gerade einmal 70 Seiten bin ich weiter gekommen, davon allein 50 in den letzten zwei Wochen. Und das Schreiben fehlt(e) mir. Dafür sind viele Projekte, Jobs und andere Dinge gut vorwärts gegangen. Das Laufen nimmt wieder seinen ihm gebührenden Platz ein und gibt jedem Tag einen unvergleichlichen Rhythmus.

Im Juni war ich in Berlin zu einem phantastischen Konzert der Thievery Corporation in Huxley’s Neue Welt. Anreise mit Freund und dessen Freundin am Nachmittag, am Abend das zweieinviertelstündige Konzert - noch niemals so abgetanzt in einem Gig, und niemals so viele Leute bei einem Konzert so abtanzen gesehen (”Wo, wenn nicht hier?!?”) -, kurzer Abstecher in die pony bar morgens um eins und am nächsten Morgen Frühstück im Blaues Band. Alles in allem, besonders das Konzert: FETT!

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Eine Woche später Betriebsausflug in den Harz. Ferienwohnung in Schierke: Fahrt mit der Brockenbahn, Wanderung hinunter, Abendessen in Wernigerode, Workshop im gemieteten Heim, am nächsten Tag auf der Rückfahrt nochmal in Goslar gehalten, und dann schon innerlich mit den Hufen geschart, um rechtzeitig zum ersten Deutschen Gruppenspiel gegen Australien wieder in Hamburg zu sein. Große Teile der Nacht und der für den Sonntagvormittag geplante Ausflug in den Klettergarten fielen dem Schierker Feuerstein zum Opfer… Das Highlight in Goslar: Im Paulaner die englischen Übersetzungen der Speisekarte: Allerlei vom Fisch = “A number of things of the fish”… Essen und Location: top!

Eine weitere Woche später das Treffen der deutschen AtlasPROfilax®-Sektion in Zeulenroda in Thüringen. Vernon brachte mich in 3:50 Stunden sicher ans Ziel. Das Bio-Seehotel war Tagungsort und bot 1a-Verpflegung, einen Golfplatz mit drei Bahnen und im Keller eine Bowlingbahn, sowie einen Fitnessraum mit Tischtennisplatte. Am Sonntagmorgen dann vorm Frühstück Joggen am See mit Volker Werner. Schwer gezeichnet nach einstündigem Frühstück in vier Stunden zurück nach Hamburg.

Zurück bleibt das andauernde Gefühl, mit klaren Gedanken und neuer Kraft in die kommenden Wochen gehen zu können. Die Antrengung hat sich gelohnt, und der Ausblick auf das einzig freie Wochenende im Juni stimmt mich froh.

Der Rest des Monats wird bestimmt von The artist formerly known as Panzer. Die Fußball-WM hat längst auch den letzten Grummler in ihren Bann geschlagen und passend, wie vor vier Jahren, schaltet das Wetter in den Modus Traumsommer. Bis zum Halbfinale sehe ich kein Spiel am gleichen Ort, dann reisst leider der “deutsche Faden”. Das Ghana-Spiel sehe ich mit meiner Kollegin in der Dannemann Lounge im HSV-Stadion. Wir sitzen das ganze Spiel draußen vor der Lounge im menschenleeren Stadion und verfolgen das 1:0 über die 60 qm große Leinwand und den merkwürdig hallenden Kommentar von Marcel Reif. Drinnen sind die Bildschirme kleiner und die Luft dicker. Alles richtig gemacht, auch wenn es um 22.15 Uhr dann doch schon recht kühl ist. Zwei Wochen später hätte man sich nach diesen Temperaturen gesehnt…

Wochen- und tagelang nehme ich mir vor, endlich wieder (im Blog) zu schreiben, und auch heute, wo es endlich wieder losgeht, schaffe ich es nur mit Unterbrechungen. Dafür habe ich heute schon ausgeschlafen(!), bin 4,5 Kilometer mit Hund gerannt (nicht gejoggt), habe gelesen, etwas The Open, das dritte Major-Turnier der Golfsaison, auf Sky gesehen, dabei festgestellt, dass ich Tiger Woods nicht mag, ja noch nie wirklich mochte, war mit Freund und dessen Tochter Eis essen im AEZ und amüsiere mich noch immer über meinen gestern ersonnenen Satz: Ich kenne den Osten wie meine Westentasche®!

Fazit des Frühjahrs:
If you follow your nose, your feet will know just where to go.

[Straight On, Terry Hoax; Album: Den Kindern geht es gut und sie lassen grüßen]

Sag’ mal, was machst du eigentlich Silvester?!

Dienstag, Dezember 29th, 2009

Spätestens ab Ende November wird das erste Mal diese unausweichliche Frage gestellt. Je näher dann Weihnachten rückt, desto häufiger hallt sie durch Telefonleitungen, taucht in eMails, SMS und sonstigen Nachrichten auf. Und obwohl diese Frage mindestens schon genauso lange existiert und wiederkehrt, wie Last Christmas von Wham!, scheinen mir sowohl Adressat und Absender dieser Frage niemals auch nur ansatzweise gelangweilt zu sein.

Sicher, es ist nicht mehr die kindliche Faszination für Feuerwerkskörper oder der jugendliche Enthusiasmus, mit dem man auf die nächste große Silvesterparty lauert. Aber Langeweile habe ich durch den Umstand, dass das Jahresende gefeiert werden soll, eigentlich noch nie empfunden. Ich denke, dass jeder, der schon ein paar Tage mit dabei ist, reichlich mit Anekdoten und Geschichten aus seiner/ ihrer Silvester-”Historie” dienen kann. Und sicherlich sind das in der Regel auch keine unlustigen Begebenheiten. Denn auch hier ist es wohl so, dass man mindestens hinterher immer drüber lachen kann, nicht wahr?!

Vor ein paar Tagen dachte ich über die schönsten bzw- interessantesten Begebenheiten zum Jahreswechsel nach. Wenn man älter wird, ist eine (kurze) Reise plötzlich auch eine Option oder gar das Maß der Dinge. Ich war zweimal zum Jahreswechsel in Amsterdam. Beide Male waren ähnlich und doch ganz verschieden. Bei der ersten Reise gabe es auf der Rückfahrt kein Schneechaos und wir waren auch nur zu zweit und nicht zu viert. Der Entschluss, sich mal eben ins Auto zu setzen und eben gerade etwas anderes am 31. Dezember zu tun als üblich, viel bei der ersten Fahrt auch so kurzfristig, dass natürlich alle günstigen Übernachtungsmöglichkeiten vergeben waren. Zumindest hatten wir nach zehn Telefonaten, und der Erkenntnis, dass es höchstwahrscheinlich etwas teurer werden würde, überhaupt gar keine Lust mehr, uns Mühe zu geben, nicht einfach in einem der teuersten (und schönsten!) Hotels der niederländischen Hauptstadt abzusteigen.

So landeten wir letztlich im Pulitzer, einem wunderschönen Komplex aus fast zwei Dutzend Grachtenhäusern, gelegen zur einen Seite zur Prinsengracht, zur anderen zur Keizersgracht. Die angebotene Abendveranstaltung wollten wir dann aber aus zwei Gründen nicht nutzen: erstens war es abartig teuer, und zweitens , was dem ersten Punkt noch mehr Bedeutung verlieh, konnte die Altersstruktur des (zu erwartenden und sich später bestätigenden) Publikums auch nicht bei uns punkten.

Fazit: Seit dem ersten Telefonanruf, gut 14 Tage zuvor, zog sich ein Umstand durch das ganze Unternehmen wie ein roter Faden: kein Plan.

Doch wie so oft, ist man ja hinterher nicht nur belustigt, sondern in der Regel auch immer etwas schlauer. Wir konnten bei zunächst erträglichen und Neujahr wunderschönem Wetter die Stadt erkunden. Vom Dam aus starteten wir immer wieder in alle Richtungen. Am Silvesterabend blieben wir in einem Pub hängen und hatten eine sehr gute Zeit, im alten sowie im neuen Jahr. Wir lernten die Besitzer des Pubs und einen ihrer Freunde kennen und ich bekam eine weitere Vorahnung davon, dass ich mir mit meinem Jura-Studium, das ich im Vorjahr in Hannover aufgenommen hatte, vermutlich nur sehr bedingt einen Gefallen getan hatte. Zitat: “In my country, to study Law, they call it the Easy Way Out!” Gelächter auf beiden Seiten des Tresens…

Was erwartet man denn allgemein und jeweils aktuell von Silvester? In unserem Fall reichte es zu einem sehr erinnerungswerten Aufenthalt, der uns im Folgejahr genügend Ankerpunkte in der Stadt lieferte.Und beim zweiten Mal sparten wir uns neun Ferngespräche, und buchten gleich das selbe Hotel wie im Vorjahr. Das war 1994, Internet war noch nicht beim Publikum angekommen bzw. es war ihm noch gar nicht vorgestellt worden. Heute kaum mehr vorstellbar, oder? Höchstens mit kaltem Entzug.

Das Jahr 2010 werde ich höchstwahrscheinlich in Hannover, meiner alten Wahlheimat, begrüßen. Ich wünsche allen einen harmonischen, entspannten und ausgelassenen Jahresausklang und hoffe, dass wir alle im neuen Jahr noch besser und effektiver vor unserer jeweils eigenen Tür kehren werden, damit wir die Dinge in eine gute Richtung bewegen, die dringend und vorsorglich dorthin bewegt werden müssen - und zwar durch unser eigenes tägliches Handeln und (Er-)Leben.

Die Welt wird sich auch ohne uns ohne Probleme weiter drehen.

Guten Rutsch und Gelukkig Nieuwjaar!

Déjà vu: Messi, komm’ runter zum Spielen!
(Tappas and me - a match made in heaven)

Donnerstag, Dezember 24th, 2009

Déjà vu. Schon mal was davon gehört? OK, kleiner Scherz.

Ich erinnere mich jedenfalls an einen Artikel vor ein paar Jahren im SPIEGEL, der eine damals brandneue Theorie vorstellte, wie es bei Menschen, wissenschaftlich betrachtet,  zu einem Déjà vu kommt. Der Anlass zu diesem Gedankengang wurde gestern morgen durch eine SMS erzeugt, die mich im soeben auf Mallorca gelandeten Airbus mit späterem Ziel Barcelona erreichte. Es ist ohnehin schon sehr schwierig zu beschreiben, geschweige denn zu erklären, aber das Déjà vu, das ich beim Lesen der kleinen Textbotschaft hatte, war doppelt unheimlich, denn der Abgleich, den meine Wahrnehmung mit meiner vermeintlichen Erinnerung vollzog, fand eher auf der Grundlage eines Traums statt, und nicht als so empfundene Wiederholung eines einmal bereits erfolgten Geschehens. Will sagen: Das Déjà vu bezog sich mehr auf eine “Vision”, die ich (vermutlich) mal in einem Traum hatte.

Das Problem ist: Bereits heute kann ich mich nicht mehr an den einigermaßen genauen Ablauf dieser vieleicht 20 bis 30 Sekunden im Flugzeug erinnern. Das Positive dabei: Es hatte mit dem Anlass meiner Reise nach Spanien zu tun, und gab mir letztlich das Gefühl, dass ich dem richtigen Weg folge.

Woran ich mich heute am frühen Abend erinnerte, war ein Werbespot, ich glaube von adidas (vielleicht aber auch von Nike), in dem Fußball-Stars wie früher als Kinder ihre Freunde von der Straße aus mit dem Ball unterm Arm riefen, und zum Spielen aufforderten. So ging es mir gestern auch, oder zumindest war mir nach eben diesem Verhalten zumute. Nur fehlte mir der Ball und der Freund in der Wohnung, zu deren Füßen ich hätte stehen können, um dem anfangs leeren Balkon oder einem offenen Fenster den geeigneten Imperativ zuzuschleudern. Immerhin befand ich mich - übrigens zum ersten Mal - in der Stadt der aktuell wohl besten Vereinsmannschaft der Welt und des frisch gewählten Weltfussballers des Jahres, Lionel Messi.

Das (kulinarische) Highlight des gestrigen Tages war ein mittäglicher Besuch in einem Tappas-Restaurant, das nach den Worten meiner Begleitung die besten Tappas in ganz Spanien macht. Eine Behauptung, der meine Sitznachbarin auf dem Rückflug heute heftig widersprach, denn nach ihrer Meinung gibt es die besten Tappas Spaniens in San Sebastian. Der Laden, in dem wir gestern waren, kann jedenfalls durchaus auch als Tappas-Paradies bezeichnet werden. Das Ciutat Comtal bietet, nach dem man im Verlauf einer L-Form zunächst die Bar, dann die Küche und weitere Sitzplätze passiert hat, am Ende des Weges einen Raum mit einer höheren Decke. Dort befindet sich eine illuminierte Wand aus Getränkeflaschen und, mit dem Rücken zu dieser Wand sitzend, rechter Hand ein zweigeteiltes sehr schönes Gemälde.

091222_Ciutat Comtal

Wenn man am Ende dieser interessanten Reise einmal von dem Dauerregen gestern, dem wegen Schnee in Düsseldorf um einen Tag verschobenen Flug, dem fast eintägigen Server-Ausfall eines für meine Arbeit relevanten spanischen Internet-Providers und meinem in Barcelona (oder sonstwo) verbliebenen Koffer absieht, dann macht die katalanische Metropole mehr als Lust auf mehr.

Also: Messi, komm’ runter zum Spielen!

Arlanda Transit Lounge
(Selbstüberlistung – just in time)

Sonntag, Dezember 20th, 2009

Ich sitze auf dem Arlanda Airport von Stockholm und warte auf das Boarding für den Flug nach Hannover. Vor einer Stunde, als ich mit dem Bus auf dem Flughafen ankam und Terminal 2 betrat, prallte ich quasi auf eine lange Schlange wartender, eincheckungswilliger Passagiere, die allerdings nach Oslo fliegen wollten. Bedauerlicherweise wurde mir das erst 15 Minuten später klar, als ich in der Schlange immerhin schon geschätzte 20 Meter Boden gut gemacht hatte.

091220_Autobahn Stockholm-Arlanda

Zwei Bildschirme in der Ferne mit rotem Inhalt ließen mich etwas stutzig werden, und siehe da, alles nur eine Frage der Perspektive, plötzlich lag der Air Berlin-Schalter deutlich erkennbar vor mir, wie eine Oase in der Wüste, und zwar hinter dem Knick von Menschen, den die Schlange nach rechts zu ihrem, aber nicht meinem, Check-in-Schalter machte.

Viel beunruhigender war vom ersten Augenblick an, dass auf dem großen, doppelten Display in der Halle der Flug nach Deutschland mit der Abflugzeit von 12.35 Uhr gelistet war. Das kam mir als notorisch am äußersten Rand der Pünktlichkeit operierenden Menschen natürlich entgegen. Andererseits.

Andererseits wäre es sinnvoll, sich erst dann (zeitlich) zu entspannen, wenn mir ein offizieller Mensch dort den Abflugtermin bestätigt hätte. Die Dame am Air Berlin-Schalter jedenfalls wollte mir in meiner Behauptung einer Verspätung in einer seltenen Mischung aus Schwedisch, Englisch und Französisch nicht folgen. Egal, Hauptsache in time!

Sprachlich noch interessanter wurde es am Ende der Sicherheitskontrolle, die im Übrigen die Schnellste und Unkomplizierteste seit Menschengedenken war. Gürtel ab, ja, Deo-Roller egal, kann drinbleiben, Schuhe (Stiefel mit einigen Nieten) schlugen beim Durchqueren der „großen Tür“ nicht mal (akustisch) an(!), eigentlich unfassbar, aber gut, was soll’s. Zur Abwechslung mal schnell da durch, ich schiebe es mal auf den Sonntag und das ruhige schwedische Gemüt. OK, richtig voll war’s zu dem Zeitpunkt auch nicht.

Am Ende der Kontrolle jedenfalls murmelte eine Dame Mitte sechzig in feinem Schwedisch vor sich hin, durchaus nicht nur an das Sicherheitspersonal gerichtet, sondern auch in meine Richtung. Das einzige, was ich mit Sicherheit verstand, was das Wort Kaviar. Ich vermute, sie sagte so etwas wie: Meint ihr, ich habe hier zentnerweise Kaviar versteckt, oder was?! Auch auf meine deutlich artikulierte Bemerkung (Sorry, I have to admit that I’m not Swedish.) reagierte sie nicht weiter. Sie kaviarte weiter halblaut vor sich hin, zog sich dabei wieder komplett ihre Sachen an und wir schmunzelten uns in einer Art von geheimen Einverständnis an, bis sie, immer noch kaviarend, durch eine automatische Tür in Richtung der Abflug-Gates entschwand.

Am bis dahin als relevant verkündeten Abflug-Gate 63, was später Richtung 65 wechseln sollte, bestätigte mir ein freundlicher Herr zwar die Abflugzeit von 12.35 Uhr, jedoch bestritt auch er dabei eine Verspätung um eine Stunde. Der Leser ahnt, es gab nur zwei Möglichkeiten: entweder war die Zeit auf meinem Ausdruck der Flugdaten in meiner Tasche falsch, oder ich hatte schlicht und einfach nicht richtig hingesehen. Bei einer Ankunftszeit um 14.10 Uhr wären über zweieinhalb Stunden für einen Flug, der am Freitag mit größerer Entfernung nur eine Stunde und fünfzig gedauert hatte, sicherlich auch mehr als gemütlich gewesen.

Jetzt sind es noch exakt 30 Minuten bis zum planmäßigen Start der Maschine. Das Boarding dürfte gleich beginnen. Ich habe Transit Lounge von Crowded House angemacht und hoffe, dass ich es noch zu Ende hören kann. Die Playlist, in der ich es fand, passt von Titel und Inhalt her perfekt zum heutigen morgen und dem ganzen Wochenende: If you smile, you might get… (some reward).

So habe ich mich heute selbst überlistet und bin so pünktlich zu einem (Ab-)Flug erschienen, wie noch nie – und vermutlich auch nie wieder…

Deutscher Schnee, ich komme!