Archive for the ‘Menschen’ Category

Emotionen in 4 Farben - Begegnung mit einer großen Persönlichkeit || Colours and emotions - Meeting one of the last real personalities of our time

Freitag, Juni 17th, 2011

Am Tag vor Himmelfahrt bin ich in die Schweiz gefahren. Schon im Februar hatte ich ein Seminar zur Weiterbildung gebucht. Die exakte Initialzündung zur Anmeldung erinnere ich nicht mehr, aber den Plan dieses spezielle Seminar zu besuchen trug ich bereits seit Herbst 2009 in mir. Nach 30 Minuten am ersten von vier Seminartagen war mir schlagartig klar: Hier bin ich richtig!

Brunnen_Blick-Richtung Luzern_web

In Brunnen am Viewaldstätter See, zwischen Luzern und Zug gelegen, trafen 18 Teilnehmer aufeinander, die eines gemeinsam hatten: sie waren offen für Neues und bereit, über den eigenen Tellerrand zu sehen. Diese - sagen wir mal - gleichgerichtete Energie war eine wahre Wohltat und eröffnete zusätzliche Ressourcen für die Aufnahme der Inhalte der Veranstaltung: Farbpsychologie. Ein Ausdruck, der dem Dozenten und Entwickler der Methode sicherlich nur bedingt gefallen dürfte.

Max Lüscher nur für sich genommen, ist bereits ein (Natur)Ereignis. Das spiegelte sich unter anderem auch in den verschiedenen Nationalitäten der Teilnehmer wider: Schweiz, Niederlande, Österreich, England, Ukraine, Russland/ Lettland, Deutschland. Der Ansatz von Lüscher, die Atmosphäre, die Menschlichkeit, der Humor, die Herzlichkeit, die Organisation und Betreuung vor Ort (danke Frau Hennes!), die Anwesenden, die Logik des Ganzen - einfach faszinierend!

To look outside of the box is probably one of the characteristics that I appreciate the most about other people. Sometimes it can be exhausting to be like that, and at the same time it also can set free energy and creativity like nothing else. Sitting in a room with 20 people being open to new grounds and willing and able to reflect about themselves, was an experience I had at the beginning of June that I will never forget.

What had happened? I went to Switzerland to witness a course on colours and their emotional meaning. Hardly have I met a person like Max Lüscher before. His knowledge on human behaviour, his kind of speaking, the words he choses and his whole appearance is unique. He does not speak to sell something or to convince others, he speaks to get in touch with others, to broaden his horizon and to offer people an entrance to themselves. From my point of view, he is one of the last true personalities of our time, having witnessed almost 90 years of life and heaving met so many other brilliant people throughout this time. I can hardly express how thankful I am and will always be to have received the opportunity to get to know and learn from him.

Der 4-Farben-Mensch, wer ist das? Und wie ist er? Da ich niemals die Sprache und gewählten Worte dieses 1923 in Basel geborenen Mannes wiedergeben kann, taugt dieses Interview mit ihm sicherlich besser, um eine kurze Einführung in die Regulationspsycholgie zu geben und die Emotionen und Empfindungen zu beschreiben, die hinter den Farben stehen bzw. mit ihnen verbunden sind. Die “Psyche” des Menschen ist dreidimensional, und Worte können dieses komplexe Gebilde nur unzureichend beschreiben. Vor allem werten sie auch und geben letztlich nur Meinungen wieder. Aus dieser Erkenntnis heraus hat Max Lüscher vor über 50 Jahren seinen Farbtest entwickelt und ständig weiter verfeinert.

Aber hören wir den großen Menschenkenner selbst:

Unfortunately, this video is only available in German language, and there are hardly any interviews with him to be found in the web anyway. For information on Lüscher Color Diagnostic you should take a look here.

So what was the main thing I learned there apart from the fact that I do understand myself even better now and have never been that relaxed before? Let’s take this quote: “What is most important in life? In fact it is not only knowing people, but understanding how they are and why they are the way they are.

It is obvious that this knwoledge reflects on all areas of life. I’m looking forward to continuing the course in October. In fact, I’m already counting the days…

Heimat - Hometown?

Montag, Mai 23rd, 2011

Vor drei Wochen bin ich seit über einem halben Jahr mal wieder in meine Heimatstadt Bremerhaven gefahren. Wie es dann ja oft so ist, kommt man monatelang zu etwas nicht, oder war lange nicht an einem Ort, oder hat jemanden ewig nicht gesehen, um dann gleich mehrmals in kurzer Zeit das genaue Gegenteil der Vormonate zu tun. Mit anderen Worten: Vor zwei Tagen war ich schon wieder dort. Dieses Mal aber mit weniger sentimentalen Gefühlen als Ende April - dafür mit ähnlichem Frühsommerwetter und in Begleitung.

Since I opened up a Twitter account three months ago and am posting tweets both in German and English, I decided to do so with my blog entries as well - from now on, resp. whenever it is possible.

The title of my blog “Eigenartige Welt” means Peculiar World. Until 14 years ago, I myself used this term, describing something rather “strange” than “individual”. I met a wise man those days, who told me to be peculiar. But it took some more years to adapt the feelings connected to this term that my brain had already understood. But knowing is nothing without feeling. So, maybe I’m strange sometimes, but hopefully in a rather peculiar way.

Today I’m sharing my thoughts about home and hometown. This topic originally came into my mind three weeks ago when I visited my hometown Bremerhaven (located at the North Sea shore, 60 kilometres north of Bremen, Germany). I was driving from Hamburg to Fishtown - as we used to call Bremerhaven after we had left it - on the motorway and listened to Francis Dunnery’s “Hometown”. In fact, I just spent about eight hours there that day, but my feelings changed from sentimental to proud, from proud to excited, and from excited to exhausted and back constantly. All in all, I was completely relaxed and just enjoyed the warm and sunny weather. But from that day on, I have been wondering what my hometown means to me, and what does home mean anyway?

So, here is my attempt to enter that cornucopia of feelings and thoughts, where seemingly has been an emotional void for a long time.

Letzten August hatte ich in Bremerhaven, oder in Fishtown, wie wir es nannten, nachdem wir die Stadt verlassen haben, 20-jähriges ABI-Treffen. Abgesehen davon, dass das ein erstaunlich gelungener Abend war, ist es im Nachhinein wohl bereits der Anlass zu den Gedanken über Heimat gewesen. Bezeichnenderweise fand die Veranstaltung im Auswandererhaus statt.

Fishtown_20th floor_web

Vor drei Wochen nun verlief der Tag in meiner Heimatstadt ganz anders als erwartet und geplant. Ich näherte mich der Stadt von ihrer von außen betrachtet attraktivsten Seite, dem Areal zwischen Columbus Center und Wesermündung mit den neuen Touristenmagneten Klimahaus, Aussichtsplattform auf dem Atlantic Hotel, Deutsches Schiffahrtsmuseum und besagtem Auswandererhaus. Meine Kamera führte mich wie von Geisterhand dorthin, wo ich scheinbar schon immer und auch noch nie gewesen bin, und am Ende ließ ich mich treiben, saß in der Sonne, blickte in über 100 Meter Höhe über die Stadt, und vernachlässigte über Stunden komplett einige Aufgaben, deren Erledigung ich meinen Eltern versprochen hatte.

Ich war mir selbst begegnet und fand alte und neue Gefühle an diesem Ort meines Auf- und Heranwachsens. Das kam plötzlich und verblüffend, und andererseits auch nicht, denn immer älter werdende Eltern, Stadtentwicklung, Abi-Treffen etc. arbeiten auch selbständig im Verborgenen, das man aber täglich mit und in sich trägt.

Was ist also Heimat und wo ist sie? An einem Ort oder immer dort, wo ich länger bin?

Speaking of home as such, you have to be aware of differences between just defining a certain word or feeling its attributes yourself. I guess most people relate home to the place where they grew up - the town, the house they lived, the people who surrounded them and became friends. Friends for that period of their lives or even for a lifetime.

Today, a lot of us are constantly on the road, mostly for reasons of business and jobs. That might even enforce the correlation of the word “home” with childhood and youth days. In a song it’s said: “My home is where my heart is.” That’s surely true, but being at home and feeling home is likely not the same.

What is “home” then? Where is it and why is it so full of emotions - this place or area of space and time?

Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Menschen und Raum. Ich möchte aber nicht weiter den dazugehörigen Wikipedia-Eintrag zitieren oder zusammenfassen, sondern meine ganz eigenen Gedanken aus meiner ganz eigenen (Heimat-)Geschichte schildern. Es sind im besten Sinne des Wortes eigenartige Gedanken.

Natürlich verbinde ich mit dem Wort Heimat als erstes das Sich-zu-Hause-Fühlen. Aber was bedeutet das, und ist dieses Gefühl endlich? Letztlich muss ich mich zu allererst immer in mir selbst zu Hause fühlen, sonst bleibe ich mir selbst immer ein Fremder.

Am 30. April in Bremerhaven habe ich mich jedenfalls unheimlich wohl gefühlt an diesem Ort. Man muss dazu wissen, dass die Stadt seit Beginn der 90er Jahre des vorherigen Jahrhunderts einen stetigen Verfall erlebt hat, der viele meiner damaligen Mitschüler und auch folgende Kinder der Stadt fort getrieben hat. Vor drei Wochen, wie auch vor zwei Tagen war das vorherrschende Gefühl bei mir: schön, hier tut sich etwas in die richtige Richtung, aber auf dem alten Fundament. Heimat reloaded von mir aus.

Für mich sind jedenfalls Heimat und Heimatstadt zwei miteinander verbundene, aber gleichzeitig völlig unterschiedliche Dinge. Das eine ist variabel, das andere ist unveränderlich. Die Heimat, die ich in mir trage, hat ihren Urpsrung in meiner Heimatstadt, weil sie dort geboren wurde. Heute ist Hamburg meine Heimat, und es fühlt sich an, als ob das niemals anders gewesen wäre. Es sei denn, ich komme nach Fishtown, und sehe die Stadt mit anderen Augen. Nicht mit denen der alten, nicht mit denen der neuen Heimat. Sondern mit denen des Besuchers, dessen Empfindungen sich im Raum zwischen damals und heute neu mischen und Gegenwart erleben lassen.

The feelings that struck me three weeks and also two days ago are located somewhere between past and present. They make it possible for a visitor of my hometown - which I am at this point in my life - to mix up to something new and to experience what presence is.

There is no place like home…

Alsterrunde, Kernerschmelze und iPad-Gelüste

Sonntag, April 3rd, 2011

Was verbinden Sie mit dem Begriff Frauenpower? Zum Beginn meiner Runde um die Außenalster heute morgen um Viertel vor Neun war es für mich jedenfalls noch etwas anderes als danach.

Ich war mehr als vier Wochen nicht gelaufen und hatte eine Zeit von etwa 40 Minuten für die siebeneinhalb Kilometer angesetzt. Alles passte perfekt zusammen: Neue Laufschuhe, Wetter noch stabil für ca. 45 Minuten, ausgeschlafen, Riesenmotivation und scheinbar ausreichend getrunken. Letzteres sollte sich als Trugschluss erweisen.

30 Sekunde nach dem Start traf ich meine Laufpartnerin, mit der ich seit 18 Monaten keine Runde mehr zustande bekommen habe. Entsprechend groß war das Hallo. Sie war allerdings schon mehr oder weniger fertig. Gemeinsames Laufen in zwei Wochen fest vorgenommen…

Die Dame, deren Rückansicht dann schon in den ersten zehn Minuten nicht näher kommen wollte, nahm ich erst gar nicht war. Wenn ich länger nicht gejoggt bin, dann laufe ich zu Beginn in der Regel nicht wirklich langsam. Das geht dann ganz von selbst, denn durch Stress, Bewegungsmangel und unerledigte Dinge, hat sich zu viel in mir aufgestaut. Jetzt kann ich es in Bewegung umsetzen.

To cut a long story short: Ich war dann direkt hinter ihr, und wollte mich einfach nur von ihr ziehen lassen, doch kaum hatte ich sie erreicht, mussten wir jemanden überholen. Dabei blickte sie sich kurz um, sah mich - und gab Gas. Und zwar richtig. Nach dem Atlantic gab ich es auf. Wozu auch? Sie war fit wie ein Turnschuh und ich lief über meinen Tagesverhältnisen. Jedenfalls: Respekt! Und gespannt sein auf ein erneutes Aufeinandertreffen.

Etwas später, etwa auf Höhe meines Lieblingsbürogebäudes mit der hübschen Adresse An der Alster 1, kamen mir Herr Kerner und seine Frau entgegen. Als Menschen kenne ich ihn nicht, und kann seine Qualitäten nicht beurteilen. Als Moderator ist er aufgrund seiner mangelnden Authentizität für mich schwer zu ertragen. Und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. Sein sinkender Stern am deutschen TV-Himmel, falls er jemals mit echtem Licht geleuchtet haben sollte, ist ja schon so beiläufig normal, dass ich mich nicht mal mehr über seinen eher steinernen, angestrengten, wenn nicht gar verhärmten Gesichtsausdruck schon gewundert habe.

Ich würde ihm wünschen, dass der ausbleibende Erfolg bei ihm zu einem Umdenken führt. Weniger ist mehr. Wobei: Was ist Erfolg im TV? Nur die hohe Einschaltquote? Vielleicht ist die Frage nicht exakt. Was ist dauerhafter Erfolg im TV, den er ja scheinbar hatte? Sicherlich schwer erreichbar auf der Basis von inflationärer Bildschirmpräsenz. Aber das verpassen ja die meisten. Warum eigentlich? Wegen der vermeintlichen Chancen, des Geldes oder der eigenen Eitelkeit?

Ich habe ernsthaft kurz gezögert und überlegt, ihn anzusprechen. Hat so ein Mensch eigentlich einen Berater und hat so ein Berater einen Plan, eine Linie, die über den nächsten Werbevertrag hinaus geht? Die Nachhaltigkeit - leider ein inflationär benutztes Wort - des eigenen (TV-)Auftritts scheint mir jedenfalls von keinem der Beteiligten bedacht, kalkuliert oder analysiert worden zu sein. Aber wer weiß, vielleicht überrascht er uns ja alle, und wir erleben in Zukunft den “wahren” Kerner.

Schlimmer als der Spott, den er seitens der Titanic kurz nach den Ereignissen in Japan erfuhr, geht es wohl bald kaum noch. Andererseits - Ehre, wem Ehre gebührt, und Neid muss man sich hart erarbeiten! Hat die Kernerschmelze schon ihr Endstadium erreicht?

Im Auto wartete etwas zu trinken auf mich, und der Liter war in 30 Sekunden in mir verschwunden. Die unnatürliche Gesichtsfarbe, wie meine Freundin es ausdrückte, war dann allerdings auch noch nicht verschwunden, als ich 15 Minuten später wieder zu Hause ankam.

Die Badewanne verlangt nun von Minute zu Minute lauter nach ihrem Einsatz. Zuvor griff ich noch kurz zum Telefonhörer, um meinen Freund anzurufen, der sich gestern das vor vier Wochen bestellte iPad abholen durfte. Am Vormittag war es noch nicht im Laden eingetroffen, doch der Nachmittag brachte dort einen weiteren Besuchvon DHL. Gestern Abend lag es noch unausgepackt auf seinem Wohnzimmertisch, heute morgen war das “Unpacking Event of the Year” (so hatte es der Verkäufer im Februar beim Öffnen meiner iPhone-Verpackung genannt) bereits vollzogen - mehr aber nicht, denn Geburtstag ist erst in vier Wochen. Grins.

Ich musste mir bereits vor einigen Tagen eingestehen, dass ich mittlerweile auch gerne eins hätte. Dann bräuchten wir allerdings abends ein Losverfahren, um herauszufinden, wer es zuerst benutzen darf. Fest steht nur eins: weiß wird es nicht sein. Die Farbe reicht mir heute auf der Fahne, die ich am Atlantic beim Laufen geschwenkt habe.

Übrigens habe ich am Ende vierunddreißigeinhalb Minuten gebraucht.

Sie haben im Lotto eine Penisverlängerung gewonnen!

Donnerstag, März 31st, 2011

Zugegeben - diese kummulative Gewinnaussicht ist fast noch unwahrscheinlicher als sechs Richtige mit Zusatzzahl, aber man kann es ja mal versuchen. Jedenfalls war das mein Gedanke, als ich heute morgen in die Zusammenfassung der gestern von meinem Provider gefilterten Spam-Nachrichten schaute.

Es sind selbstredend natürlich auch andere Top-Kombinationen möglich, vielleicht sogar ein “Dreier”! Wie wäre es zum Beispiel mit:

“Besuchen Sie mich in meinem Keller, ich gebe Ihnen den Geldkoffer persönlich, Sex erhalten Sie im Vorkeller von meiner bezaubernden, versklavten minderjährigen Assistentin bis in den frühen Morgen und sind über Nacht Millionär. Morgen früh wachen Sie auf mit zwei Schwänzen. Garantiert!”

Faszinierend an all dem ist doch der Widerspruch zwischen den tatsächlichen und vermeintlichen Bedürfnissen der Menschen. Da ist ja - vor allem online - zunächst das Bedürfnis, sich mitzuteilen. Sei es durch Bilder, Kommentare, Blogeinträge, Tweets, E-Mails etc. Letztere führen uns zu Spam-Mitteilungen und scheinen mir bei genauerer Betrachtung manchmal durchaus den einen oder anderen Absender auch selbst sexuell zu erregen. Anders kann man sich diesen Eifer kaum erklären, der natürlich automatisiert ist und damit so ziemlich alles konterkariert, was der Internet-Nutzer = Empfänger im Netz und auch im Leben sucht.

Individualität, persönliche Kommunikation, (Lebens-)Inhalt und (Lebens-)Freude - um nur ein paar Dinge zu nennen. Das sind übrigens in der deutlichen Mehrzahl alles Werte, Empfindungen und Vorgänge, die man sich auch mit einem Lottogewinn nicht kaufen kann.

Zufrieden stelle ich jetzt fest, dass in diesem Beitrag mindestens zwei überragende Schlüsselwörter für Spam-Roboter und Suchmaschinen vorhanden sind. Da bin ich jetzt ja mal gespannt!

Vielleicht reicht es am Ende sogar zu einem flotten Vierer, Fünfer oder Sechser. Dann habe ich am Ende doch noch im Lotto gewonnen…

In diesem Sinne, meine Empfehlung:

Einfach mal zuruecklehnen

Gedanken am Samstagmorgen

Samstag, März 12th, 2011

Ich las gestern in einem Tweet, dass man die besten Gedanken verpasse, wenn man sich nicht selbst reflektiere. Mein Reden. Viele Menschen neigen in dieser Hinsicht zu großer Bequemlichkeit, wenn nicht gar Ignoranz - die Rechnung kommt dann später.

Also abgesehen vom reduzierten Erlebnisgehalt und Erkenntnisgrad im eigenen Dasein, ist das natürlich auch eine Frage von “Reinigung”, Konstanten, Koordinaten, Zielen und Orientierung.

Gestern war auf Spiegel Online etwas über Meinungsabgleich und Filterfunktion(en) durch Facebook, Google etc. zu lesen. Ich habe dazu nur die Überschrift und das dazugehörige Bild gesehen, eine Landkarte mit Verbindungslinien bzw. Ballungszentren, scheinbar bezogen darauf, wer wo welche Meinung vertritt, widergibt oder ihr folgt.

Nun ist das Folgen ja seit Twitter etwas ganz anderes geworden oder hat zumindest im Online-Bereich eine eigene Dimension erlangt. Ich “folge” auch, und mir wird “gefolgt”. Was ist die Folge davon und wieviel (mehr) an Meinung(en) gebe ich ungefiltert weiter oder folge ich, weil das Agenda Setting gerade entsprechend angesagt ist bzw. vorgenommen wurde?

In Nordafrika folgen die Menschen dem Ruf der Freiheit und online organisieren sie sich schnell und zielgerichtet. Das ist ein gutes und gesundes Wachstum, und letztlich folgerichtig. Denn ein Netz verbindet, und dieses spezielle Netz kann es schneller und besser als jedes andere. Es ist ja nur eine fortgeschrittene Art des Telefonierens, an dem zudem der ganze Planet teilnehmen kann - wenn er denn Zugang hat.

Dass jeder am besten seiner eigenen Nase folgen sollte, und nicht nur Trends, reinen Modeerscheinungen oder Wahnvorstellungen, versteht sich von selbst. Und da sind wir wieder bei den eigenen Gedanken.

Ich liege auf dem Sofa, tippe in mein iPhone in beachtlicher Geschwindigkeit, und spüre den gestrigen Abend in den Knochen. Eine 60-Stunden-Woche ging mit Chinese Boxing in Ottensen und einem anschließenden Umtrunk in der Nähe zu Ende. Der Raum jetzt gerade zwischen endgültigem Wachwerden und Aufwachen ist wie gemacht für diese Gedanken.

Nach knapp vier Wochen Twitter, zahllosen Tweets und viel Lachen und Kopfschütteln ist es Zeit für ein Zwischenfazit.

Die eigene Aufmerksamkeit wird in vielen, häufig zu vielen, Details gebunden. Das ist dann eine Frage der Selbsterziehung. Das eigene Verhalten ändert sich teilweise dramatisch, und das ist spätestens dann schlecht, wenn es nicht gewachsen ist, sondern durch die schlichte (technische) Möglichkeit bzw. Machbarkeit motiviert wird. Mit anderen Worten: Ich mache es dann nur noch, weil es geht oder weil ich es kann, z. B. mit Hilfe meines Smartphones. Da leidet schnell die sichtbare Aufmerksamkeit für Menschen am gleichen Ort, im gleichen Raum - was auch eine Frage von Respekt und Höflichkeit ist.

Ich kann damit umgehen. Ich bin jetzt 40 und kenne das Beste aus beiden Welten - offline sozialisiert und online weitergebildet und geschult. Doch Gespräche wie das, dessen unfreiwilliger Zeuge ich am Dienstag im Bok in Ottensen wurde, zeigen mir, dass die Facebook-Generation von heute das ohne eine intakte Begleitung der Eltern nicht mehr kann. Die eigene Wahrnehmung und die wechselseitige Wahrnehmung meiner “Freunde” auf der Grundlage vorgegebener Raster und Technik ist letztlich gnadenlose Auslese und nicht selten der Weg in die Selbstentfremdung. Die Gesprächsthemen und vor allem die Art und Weise der (Selbst-)Darstellung sind leider zu oft oberflächlich, gänzlich wertend und noch häufiger völlig inhaltsleer.

Eins wird immer so bleiben: Das Leben ist offline und draußen. Bin ich online, bin ich erreichbar, und auf Linie - finde mich aber vielleicht selbst nicht (mehr). Wie mein Chef immer so schön sagt: “Wer nicht raus geht, kann nichts erleben.”

Ich fahre jetzt nach Blankenese zu meinem Optiker. Da wartet ein Steve McQueen-Poster auf mich. Das kann ich anfassen, verschenken oder mir in die Wohnung hängen. Neulich habe ich mir einen Fotoband von William Claxton über McQueen bestellt - gebraucht, denn das Buch gibt es nicht mehr. Ich habe es gerade in die Hand genommen und nehme mir jetzt die Zeit, es überhaupt mal richtig und aufmerksam anzusehen.

Und um so eine coole Sau wie Steve McQueen zu werden, muss man raus gehen und Dinge (er)schaffen, die auch in 50 Jahren noch den gleichen Wert haben werden - wenn es Facebook schon lange nicht mehr gibt und wir vermutlich schon über unsere Gedanken ins Netz gehen können.

Auch (am besten) an einem Samstagmorgen.

Musiktipp: “The World Is Outside”, The Ghosts (Album “The World is Outside”).

Digitales: On the Edge

Donnerstag, Februar 17th, 2011

Ein sehr interessanter Artikel über den amerikanischen Literaturagenten John Brockman zu dessen 70. Geburtstag stand gestern in der SZ. Die Wurzeln des digitalen Denkens beschreibt ihn als Moderator, Agenten und Netzwerker der Digitalen Welt, ohne dabei auf sein eigentliches Medium zu verzichten - das Buch.

In Die Zweimilliardenfrage war ich schon einmal auf ihn gestoßen. Sobald der Text online verfügbar ist, werde ich ihn hier verlinken.

Am Ende des Artikels bestätigte mich der Hinweis auf seine geplante Geburtstagsfeier und die früher so oft von ihm inszenierten Dinnerparties in meinem Empfinden über Projektbesprechungen: neue Ideen werden befeuert und geboren, in dem Menschen miteinander sprechen - im gleichen Raum, auf der gleichen Wellenlänge.

Das geht auch analog.

Mittags ohne Inspiration die Wand anstarren

Freitag, Februar 11th, 2011

Ich las heute morgen ein Interview mit den Coen-Brüdern zur Berlinale in der SZ von Mittwoch. Trotz des inflationären Gebrauchs des Wortes Yeah gefiel mir ein Teil des Interviews besonders, vermutlich, weil es mir bzw. uns täglich so geht (was das Mittagessen betrifft):

SZ: Was machen Sie dann?

Ethan: Herumsitzen. Die Wände anstarren.

Joel: Ans Telefon gehen. Mittagessen bestellen. Ein Nickerchen halten.

Ethan: Man kann erstaunlich viel Zeit und Energie in den Entscheidungsprozess stecken, was man zum Mittagessen bestellen will.

Joel: Yeah!

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Wortschöpfung der körperbetonten Unterhaltung

Dienstag, Februar 8th, 2011

Meine Freundin las mir vor zwei Tagen - ich weiß gar nicht mehr, wo sie es her hatte - etwas über den Begriff Tittytainment vor. Ich glaube es war aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift agora, die Richard David Precht jetzt als Herausgeber begleitet.

Da mir dieses Wort seitdem ständig unterkam bzw. in meinem Kopf herumschwirrte, möchte ich doch hier die Gelegenheit nutzen, es weiter zu verbreiten, denn es vereint auf wunderbare Weise (unfreiwillige) Komik, Medienanalyse, Sozio- und Biologie sowie einen gewissen Bunte- und Gala-Reflex in uns.

“Komm’ doch in mein Raumschiff, Du bist für immer schön!*”

[The Heart’s A Lonely Hunter,
Thievery Corporation feat. David Byrne

(*freie Übersetzung)]

Was macht Konsum mit uns? Einsam?

Freitag, Februar 4th, 2011

Soziologen haben in der Regel etwas über Verhalten und menschliches Zusammenleben zu sagen. Wenn die Fragen gezielt und intelligent gestellt werden, können Interviews mit ihnen von Theorielastigkeit befreit sein und zugleich komplexe Strukturen aufzeigen.

Ein Gespräch mit Zygmunt Bauman aus der SZ-Ausgabe vom letzten Samstag fand sich bezeichnenderweise im Wirtschaftsteil. Ich frage mich beim Durchlesen gerade wieder, ob ich mutig oder gleichgültig bin, falls ich heute bei Amazon den Knopf drücke und meine heißersehnte Spiegelreflexkamera bestelle? Einsam bin ich nicht, aber das Weihnachtsgeschäft habe ich ohne Reue und Schuldgefühle überstanden. Es war für mein Portemonnaie übrigens das günstigste seit vielen Jahren.

Weniger ist mehr.

Ges(ch)ichtsbuch

Donnerstag, Januar 13th, 2011

Ich gehöre nicht zu den 500 Millionen Menschen bei Facebook. Das Netzwerk begegnet mir aber beruflich und ich habe Social Network von David Fincher in der Originalfassung gesehen. Produziert übrigens von Kevin Spacey. Fazit: Auch mit Millionen von Freunden kann man einsam sein.

Ich bezweifle, dass der Dienst in 5 Jahren da stehen wird, wo es jetzt alle erwarten, oder soll ich sagen, worauf sie ihr Geld wetten? Interessant wird es wie immer beim menschlichen Verhalten. Und da gibt es ja in beide Richtungen noch Spielraum. Trends erzeugen ja immer auch Gegentrends.

Was denken die anderen nun also von mir? Das ist natürlich eine wahnwitzig wichtige Frage, wenn man sich mehr über andere als über sich selbst definiert. Verständlich, dass die öffentliche Auskunftsfreude vielen Freunden von Geschäften gelegen kommt. Da möchte der eine oder andere doch sicher lieber vor sich selbst geschützt werden, als vor der “Datensammelwut” des weltgrößten Poesialbum-Betreibers, oder?

Offen ist das alles für poetische, philosophische und soziologische Betrachtungen. Und bald sicher auch für geschichtliche. Hauptsache irgendjemand hat davon einen Nutzen. Wie spannend wäre es, menschliches Verhalten nicht hochzurechnen, sondern zu erleben. Wie sagte mal jemand in einem Vortrag auf einer DPRG-Veranstaltung so schön: Werbung von heute ist Spam von morgen.

Vielleicht liegt alles auch daran, dass ich früher schon mit Poesiealben eher wenig anfangen konnte und mir auch das althergebrachte “Zwitschern” immer noch mehr Freude bereitet. Und auch mehr Kopfschmerzen.